Dein größtes Vermögen ist nicht dein Auto und auch nicht dein Sparkonto – es ist deine Arbeitskraft. Wer über das ganze Berufsleben rechnet, kommt schnell auf ein bis zwei Millionen Euro an Einkommen. Fällt diese Fähigkeit weg, wird es existenziell. Genau hier setzt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) an. Was eine BU ist und wie sie funktioniert, erklärt der Grundlagen-Artikel Berufsunfähigkeit: Die Grundlagen. Hier geht es um die Frage: Warum nicht warten?
Der Staat springt kaum ein
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist das einzige Netz, das der Staat spannt – und es hängt tief (§ 43 SGB VI):
- Volle Rente gibt es nur, wenn du weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kannst – in irgendeinem Beruf, nicht in deinem.
- Halbe Rente bei drei bis unter sechs Stunden.
- Nichts bei sechs Stunden und mehr. Einen Berufsschutz gibt es nur noch für vor dem 2. Januar 1961 Geborene.
- Voraussetzung: mindestens fünf Jahre versichert und 36 Monate Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren.
Und die Höhe? Neu bewilligte Erwerbsminderungsrenten lagen 2025 im Schnitt bei rund 1.070 € im Monat (Deutsche Rentenversicherung, Jahresbericht 2025) – nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das sichert bestenfalls das Existenzminimum, nicht deinen Lebensstandard. Die Lücke musst du privat schließen.
Wen es trifft – und womit
Nach Schätzung der Versicherungsmathematiker (Deutsche Aktuarvereinigung) wird etwa jeder Vierte im Laufe des Berufslebens berufsunfähig; für 30-jährige Frauen liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 26 Prozent, für Männer bei rund 24 Prozent. Die häufigste Ursache sind längst nicht mehr Unfälle, sondern psychische Erkrankungen mit rund 36 Prozent aller Fälle, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats (rund 18 Prozent) und Krebs (rund 17 Prozent) (Analyse einer Ratingagentur 2025). Unfälle machen nur rund 7 Prozent aus. Deshalb reicht eine Unfallversicherung als Ersatz nicht aus.
Warum früh entscheidend ist
Zwei Faktoren bestimmen deinen Beitrag: Eintrittsalter und Gesundheit. Beide sprechen dafür, nicht zu warten:
- Eintrittsalter-Logik: Der Beitrag wird einmal beim Abschluss nach deinem Alter berechnet und bleibt dann über die gesamte Laufzeit auf diesem Niveau kalkuliert. Wer mit 25 einsteigt, zahlt über 40 Jahre den 25er-Beitrag; wer mit 40 einsteigt, zahlt 27 Jahre lang den deutlich höheren 40er-Beitrag. Jedes Jahr Warten macht den Schutz also nicht nur kürzer, sondern pro Monat teurer.
- Gesundheit: Je gesünder du bist, desto eher wirst du ohne Ausschlüsse oder Zuschläge angenommen. Eine Diagnose, die morgen in der Akte steht, kann den Schutz teuer oder unmöglich machen. Wer gesund ist, hat die freie Wahl.
Dazu kommt: Die Gesundheitsfragen musst du wahrheitsgemäß beantworten (§ 19 VVG), sonst darf der Versicherer im Leistungsfall zurücktreten. Mehr dazu in Deine Rechte beim Versicherungsabschluss.
Worauf es im Tarif ankommt
Nicht jede BU ist gleich. Achte unter anderem auf:
- Verzicht auf abstrakte Verweisung – du sollst nicht auf einen anderen Beruf verwiesen werden können.
- Eine ausreichend hohe BU-Rente. Eine oft genannte Faustregel sind 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens; was wirklich nötig ist, zeigt deine eigene Ausgabenrechnung.
- Faire Nachversicherungsgarantien, damit der Schutz ohne neue Gesundheitsprüfung mit deinem Leben wächst – bei Heirat, Kind, Hauskauf, Gehaltssprung.
- Ein Leistungsbeginn ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit und ein Prognosezeitraum von sechs Monaten.
So gehst du vor
- Bedarf rechnen: Was brauchst du im Monat, wenn das Gehalt wegfällt? Fixkosten plus Leben.
- Gesundheitsakte besorgen: Patientenquittung der Krankenkasse oder Auskunft beim Arzt – vor dem Antrag.
- Anonyme Voranfrage: Bei Vorerkrankungen lässt sich die Annahme ohne Namen vorab prüfen.
- Bedingungen vergleichen, nicht nur Beiträge. Der billigste Tarif ist selten der, der im Ernstfall zahlt.
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Quellen: § 43 SGB VI, § 19 VVG, Deutsche Rentenversicherung (Erwerbsminderungsrente, Jahresbericht 2025), Deutsche Aktuarvereinigung und GDV-Verbraucherportal (Ursachen und Wahrscheinlichkeit von Berufsunfähigkeit, Analyse einer Ratingagentur 2025), Finanztip, Stiftung Warentest – Stand Oktober 2026. Die BU ist am wertvollsten, solange du sie noch gar nicht brauchst. Schreib mir – wir ermitteln deinen Bedarf sauber, bevor es der Zufall tut.